Methodenpool zur Fallarbeit



I

Interdisziplinärer Forschungsansatz

Dieser forschende Ansatz setzt für die Bearbeitung eines Falles eine Gruppe voraus, die aus Personen mit unterschiedlichen Expertisen (z.B. Soziologie, Interkulturalität, Mehrsprachigkeit, Inklusive Pädagogik mit Schwerpunkt Behinderung, ... ) wie auch verschiedenen Erfahrungskontexten (z.B. Studierende, Lehrende) gebildet wird. Die mitgebrachten Zugänge und Fragestellungen bilden die Basis für ein vertieftes Verstehen einer konkreten Situation wie auch der Ableitung möglicher Interventionen.


Maßgebliche Methode ist der Dialog und das Gespräch miteinander. Vorausgesetzt wird ein Interesse an den Sichtweisen der anderen Gruppenteilnehmer/innen und eine Offenheit, dass die eigene Perspektive eine von mehreren möglichen ist. Ein Fall – so der interdisziplinäre Ansatz – beinhaltet keine Eindeutigkeit, die es zu heben gilt und von der ein Handlungsrezept abzuleiten wäre. So wird im Gespräch deutlich, dass eine konkrete Situation je nach Expertise und damit je nach Fokus mehrfach verstanden werden kann. Die Mehrdeutigkeit eines so erschlossenen Falles eröffnet in Folge mehrere Handlungsstrategien oder Interventionsmöglichkeiten.

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K

Kasuistische Datenbanken


ApaeK - Archiv für pädagogsische Kasuistik
Goethe Universität, Frankfurt
http://www.apaek.uni-frankfurt.de/55817402/WEIII_AG_ApaeK


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Kollegiale Beratung

Kollegiale Beratung beschreibt ein Format personenorientierter Beratung; es geht nicht um Anleiten, Führen oder Belehren.

Dieser forschende Ansatz setzt den Gruppenmodus voraus, welcher die Aktivierung vielfältiger Perspektiven ermöglicht.

Ein weiteres Charakteristikum kollegialer Beratung ist die thematische Selektion von berufsbezogenen Fällen, wodurch Themen wie z.B. Hobbies, Gesundheit und Liebe ausgegrenzt werden. In diesem Konzept richtet sich der Blick klar auf das Erleben und Handeln der Person in ihrem Arbeitskontext.

Zur Einführung einer Systematik in den Beratungsprozess empfiehlt sich ein mehrphasiges Ablaufschema. Damit soll die beabsichtigte Beratungskommunikation gewährleistet und von Alltagsgesprächen abgegrenzt werden.

Die Wechselseitigkeit kollegialer Beratung ermöglicht eine Reziprozität der Beratungsbeziehungen zwischen allen Teilnehmenden von Fallberatung zu Fallberatung.

In einer abschließenden ergebnisorientieren Reflexion wird die Intention des Beratungsprozesses sichtbar, die darin besteht, dass die Person aus den Beratungsgesprächen Folgerungen für zukünftige berufliche Handlungen oder Selbstreflexion ableitet. (vgl. Tietze, 2010)

 

Literatur: Tietze, K.O. (2010). Wirkprozesse und personenbezogene Wirkungen von kollegialer Beratung. Theoretische Entwürfe und empirische Forschung. Wiesbaden: VS Verlag.


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P

Prozessportfolio

Im Prozessportfolio soll ein bedeutungsvolles Ereignis von einem Studierenden aus dem Lerntagebuch ausgewählt werden und nach einem vorgegebenen Denk- und Reflexionsprozess behandelt werden. Das Prozessportfolio wird nach speziellen Kriterien in mehreren Komplexitätsstufen beurteilt, diese können zusammen mit erläuternden Ankerbeispielen im angehängten Dokument eingesehen werden.

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W

Work Discussion

„Work Discussion“ bezeichnet eine psychoanalytische Methode, die von Martha Harris an der Tavistock Clinic in London entwickelt wurde. Sie kann zur Reflexion und Analyse von
Interaktions- und Beziehungsprozessen eingesetzt werden. Dazu werden Praxisprotokolle, in denen Arbeitssituationen beschrieben werden, verfasst und diese dann in einem Kleingruppensetting mit einem erfahrenen Seminarleiter oder einer erfahrenen Seminarleiterin besprochen.

Dadurch soll ein tiefes Verständnis der Beziehung zwischen innerpsychischen und interaktionellen Aspekten unter Berücksichtigung von bewussten und unbewussten Momenten erlangt werden und die Entwicklung einer psychoanalytischen Haltung von professionell tätigen Personen (wie z.B. Lehrkräften) unterstützt werden.

Literatur und weiterführende Informationen: Datler, W. & Datler, M. (2014). Was ist „Work Discussion“? Über die Arbeit mit Praxisprotokollen nach dem Tavistock-Konzept. Wien: o.V. (siehe Anhang)


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